Vendor Lock-in ist selten ein Technologieproblem

In Wirklichkeit entsteht er durch Strukturentscheidungen. Oder anders gesagt: Er wird selten im Betrieb verursacht, sondern Jahre vorher entschieden.

Viele Unternehmen beschäftigen sich mit dem Thema erst, wenn der Lock-in bereits Realität ist. Dann sind Plattformen integriert, Prozesse angepasst und das Know-how liegt beim Anbieter. Ein Wechsel wäre zwar theoretisch möglich, praktisch aber mit hohem Aufwand verbunden.

Interessant dabei:
Vendor Lock-in entsteht selten durch „böse Absicht“. Oft ist er das Ergebnis intensiver Zusammenarbeit.

Der entscheidende Punkt wird jedoch häufig übersehen: Die strukturellen Grundlagen entstehen viel früher.

Aus meiner Erfahrung vor allem in drei Bereichen:

  • Sourcing- und Vergabestruktur
  • Vertragsgestaltung
  • Providermanagement

Viele Organisationen setzen auf Multi-Vendor-Modelle, um Abhängigkeiten zu reduzieren. Das kann sinnvoll sein, erhöht aber auch Komplexität und stellt höhere Anforderungen an Governance und Organisation.

Wichtig ist außerdem: Vendor Lock-in hat mehrere Dimensionen: technisch, wirtschaftlich, organisatorisch und wissensbezogen.

Selbst wenn sich ein Lock-in schon manifestiert hat, ist das 𝗸𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗦𝗮𝗰𝗸𝗴𝗮𝘀𝘀𝗲. Abhängigkeiten lassen sich auch später noch reduzieren aber nur selten schnell und nie ohne Aufwand.

Die eigentliche Frage lautet daher nicht: Wie vermeidet man Vendor Lock-in vollständig?

Sondern: Wie gestaltet man Abhängigkeiten so, dass strategische Optionen erhalten bleiben?

Denn am Ende gilt: Vendor Lock-in ist selten ein Technologieproblem. Es ist ein Strukturproblem.


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